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german.pages.deOffener Brief an Präsident Ahmadinejad
S.E. Mahmoud Ahmadinejad, Exzellenz, Mit grossem Interesse habe ich gelesen, dass nach Ihrer Ansicht der sogenannte “Holocaust”, der Mord von Millionen Juden, Mitgliedern anderer Minderheiten und Völker, sowie deutscher Regimegegner, nicht stattgefunden hat. Das betrifft mich direkt, denn mein Onkel Anton Mayer wurde 1942 als Berliner “Halbjude” ins Konzentrationslager Theresienstadt eingewiesen. Im Herbst 1944 erhielt seine Frau Anselma meine Tante, die nach seiner Verhaftung bei uns in Oesterreich lebte, ein Telegramm. Ich damals ein Kind begleitete sie und meine Mutter zur Post, um es abzuholen. Auf dem Heimweg öffnete Tante Selma das Telegramm. Es lautete “Mit Bedauern muss ich Ihnen mitteilen, dass Ihr Gatte Anton Mayer an Lungenentzündung verstorben ist. Heil Hitler! Der Lagerkommandant.” Die Frauen weinten, und meine Mutter sagte: “Die Schweine sie haben ihn umgebracht.” Mehr als sechzig Jahre sind seither vergangen, und wir haben oft an Onkel Anton gedacht. Er war Sohn einer Leipziger Bankiersfamilie gewesen und diente im I. Weltkrieg als kgl. sächsischer Dragoneroffizier. . Er war ein eleganter Herr und ähnelte dem Alten Fritz, den er verehrte. Seine ganze Liebe galt der Dichtung; er war eng befreundet mit Rudolf G. Binding, dem “Göttergleichen” wie er ihn nannte. Sie reisten zusammen in Italien und Griechenland. Onkel Anton sprach fliessend italienisch mit florentiner Akzent, und seine Freunde nannten ihn Antonio. Er liebte die toskanische Küche und verachtete die römische, weil die Römer nach seiner Meinung die Pasta zu lange kochen. Später, als er sein Vermögen verloren hatte, ernährte er sich als Autor zahlreicher preussischer Heldenromane und Musikbücher, die damals sehr beliebt waren, und schrieb eine Biografie von Rudolf G. Binding. Warum ich Ihnen das erzähle? Weil Ihre Äusserung, Exzellenz, nur bedeuten kann, dass das Telegramm eine Fälschung gewesen ist, dass Onkel Anton das Konzentrationslager überlebt hat. Aber warum hat er sich dann nie gemeldet? Kein Lebenszeichen, kein Grab, nur eine Lebensversicherung auf seinen Namen bei der Allianz, die nie ausbezahlt wurde. Ich blicke auf die schwarzweisse Empire-Vase von Creil, die Onkel Anton meinen Eltern zur Hochzeit geschenkt hat, und bin traurig. Da Sie soviel wissen, Exzellenz, könnten Sie mir vielleicht helfen, Onkel Anton zu finden zumindest sein Grab, falls er eines hatte. Ich wäre Ihnen dafür sehr verbunden. Hochachtungsvoll, Heinrich von Loesch |